Privatanleger wären die Verlierer
Selten hat die Investmentbranche so klar mit einer Stimme gesprochen wie aktuell in der Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer: Die Experten warnen unisono davor, dass die Steuer, wie sie zurzeit von der Politik geplant ist, letzten Endes den Anlegern schaden würde.
In ihrer aktuell vorgeschlagenen Form würde die Finanztransaktionssteuer auf alle Transaktionen erhoben (Aktien, Anleihen, Derivate, strukturierte Finanzprodukte), die zwischen zwei Finanzinstitu-tionen stattfinden. Voraussetzung dafür ist, dass wenigstens eine der Parteien ihren Sitz innerhalb der Europäischen Union hat. Der Steuersatz würde 0,1 Prozent beim Handel mit Aktien oder Anlei-hen und 0,01 Prozent für derivative Produkte betragen. Investmentfonds, die dynamische Methoden der Portfolioabsicherung benutzen um Risiko zu managen, würden von der Steuer besonders hart getroffen, da sie häufiger umschichten. Wenn solche Fonds Teil der Altersvorsorge sind, würden Privatanleger unter den höheren Kosten leiden. Ein vermeintlich vernachlässigbarer Steuersatz von 0,1 Prozent kann sich zu hohen Beträgen addieren; der europäische Verband der Fondsindustrie (EFAMA) rechnet mit Belastungen für Investmentfonds von ca. 38 Milliarden Euro pro Jahr.
Auf diesen Effekt hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres das CFA Institute hingewiesen. In einer Umfrage unter seinen Mitgliedern teilte die überwiegende Mehrheit der befragten Invest-mentexperten die Einschätzung, dass es vor allem die Endkunden von Finanzdienstleistungsproduk-ten sein werden, die die Kosten zu tragen hätten.
Ein ebenso wichtiger Aspekt in der Ausgestaltung einer Finanztransaktionssteuer ist ihr Geltungsbe-reich. Die Ergebnisse der Umfrage des CFA Institute unter Investmentexperten in der EU und der Schweiz sprechen auch hier eine klare Sprache: Nur 5 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass eine Finanztransaktionssteuer auf EU-Ebene überhaupt effektiv sein kann. 44 Prozent gaben an, dass sie mindestens auf Ebene der G20 eingeführt werden müsste um effektiv zu sein; und 45 Pro-zent hielten die Steuer auf keiner Ebene für effektiv. Denn in der Tat können ja gerade die von der Politik anvisierten Adressaten der neuen Abgabe, nämlich die sogenannten „Spekulanten“, dieser leicht ausweichen. Sie müssten ihre Geschäfte einfach an einem Finanzplatz abwickeln, der nicht der Steuer unterliegt. Damit wird ein weiteres Problem sichtbar: Regulierungsarbitrage, die eigentlich als Lehre aus der Finanzkrise verhindert werden soll, wird über eine – schon europaweit – nicht mehr-heitsfähige Regelung wieder verstärkt. Auch das trifft am Ende wieder den Steuerzahler, weil der heimische Finanzplatz an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verliert.
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